Wenn Teams nicht mitwachsen: Warum Marketingführung flexibel bleiben muss

Marketingverantwortliche priorisiert Wachstumsaufgaben im Zürcher Strategieraum

Die Schweizer Konjunktur sendet wieder bessere Signale. Die Flash-Schätzung des SECO weist für das zweite Quartal 2026 ein Wachstum von 1,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal aus. Gleichzeitig bleibt der Arbeitsmarkt in vielen qualifizierten Business-Funktionen zurückhaltend: Die Zahl offener Stellen ging im zweiten Quartal insgesamt zurück, bei Verkaufs-, Verwaltungs- und kaufmännischen Berufen deutlich stärker.

Das ist kein Widerspruch. Es ist eine Führungsfrage. Wenn Projekte, Budgetentscheide oder eine Agentursteuerung auf eine künftige Besetzung warten, verliert das Marketing nicht nur Tempo. Es verliert die Fähigkeit, Prioritäten sauber zu setzen. Gerade in Phasen mit besseren Wachstumssignalen wird diese Verzögerung teuer.

Die Führungslücke entsteht vor der Vakanz

Eine Stelle wird selten von einem Tag auf den anderen frei. Meist kündigt sich die Lücke an: Ein CMO verlässt das Unternehmen, ein Team wird umgebaut, eine Akquisition bindet die Geschäftsleitung oder eine wichtige Kampagne braucht plötzlich mehr Steuerung. Trotzdem bleibt die Übergabe oft bis zuletzt ungeklärt.

Dann übernehmen operative Teams zusätzliche Entscheide. Agenturen füllen das Vakuum mit Empfehlungen. Und die Geschäftsleitung erhält Reporting, aber keine klare Sicht darauf, welche Massnahmen wirklich auf die Wachstumsziele einzahlen. Das Problem ist nicht fehlende Kompetenz im Team. Es ist fehlende Ownership für die Gesamtsicht.

Drei Aufgaben, die keinen Aufschub dulden

Wenn Führungskapazität knapp ist, braucht es keinen Ersatz für jede einzelne Rolle. Es braucht Klarheit über die Aufgaben, die nicht warten dürfen:

  • Prioritäten setzen: Welche zwei oder drei Wachstumshebel erhalten Budget und Aufmerksamkeit – und welche Initiativen werden bewusst gestoppt?
  • Entscheide vorbereiten: Welche Fragen müssen Geschäftsleitung oder Verwaltungsrat tatsächlich entscheiden? Gute Entscheidungsunterlagen ersetzen keine Führung, machen sie aber schneller und belastbarer.
  • Partner steuern: Wer verantwortet Briefing, Qualität, Budget und Wirkung gegenüber Mediaagentur, Kreativpartnern und Plattformen? Ohne klaren Owner wird externe Ausführung schnell zur faktischen Strategie.

Diese Aufgaben sind zeitlich begrenzt, aber strategisch. Sie lassen sich nicht sinnvoll in ein Monatsreporting auslagern. Und sie gehören auch nicht automatisch in die Verantwortung der lautesten Person im Raum.

Flexible Führung ist kein Organisationsmodell auf Dauer

Ein zeitlich klarer Führungsauftrag kann eine Übergabe überbrücken, eine Wachstumsinitiative fokussieren oder eine neue interne Rolle sauber vorbereiten. Entscheidend ist der Auftrag: Ziele, Entscheidungsrechte, Taktung und Exit müssen von Beginn an definiert sein.

Das schützt auch vor dem falschen Reflex, eine dauerhafte Organisationsfrage mit einer kurzfristigen Beratung zu überdecken. Gute flexible Führung macht sich planbar überflüssig: Sie stabilisiert die Steuerung, schafft Transparenz und übergibt Verantwortung an das interne Team. Genau dafür ist ein Fractional Growth Lead gedacht – nicht als zusätzliche Hierarchiestufe, sondern als klar begrenzte Führungsleistung.

Wachstum wartet nicht auf die perfekte Besetzung. Es braucht eine verantwortete Entscheidung im richtigen Moment.

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